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	<title>Der Gleisarbeiter &#187; Studium</title>
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		<title>Glück allein macht nicht vermögend oder: Kann man zu glücklich sein?</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Apr 2008 13:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>gleisarbeiter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
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		<category><![CDATA[Glück]]></category>
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Heute morgen habe ich in der FAZ Sonntagszeitung einen Artikel gelesen, der mich auf Grund meiner momentanen Vorlesung in Volkswirtschaftslehre besonders interessiert hat. Der Artikel von Jürgen Kaube war überschrieben mit: &#8220;Glück allein macht nicht vermögend&#8221; und ging auf die Studien dreier amerikanischer Psychologen ein, die sich die Frage gestellt haben, ob es auch ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/180px-indifferenzkurven.png" title="180px-indifferenzkurven.png"><br />
</a>Heute morgen habe ich in der FAZ Sonntagszeitung einen Artikel gelesen, der mich auf Grund meiner momentanen Vorlesung in Volkswirtschaftslehre besonders interessiert hat. Der Artikel von Jürgen Kaube war überschrieben mit: &#8220;Glück allein macht nicht vermögend&#8221; und ging auf die Studien dreier amerikanischer Psychologen ein, die sich die Frage gestellt haben, ob es auch ein optimales Glücksniveau geben kann, also einen Punkt ab dem ein weiterer Zuwachs von Glück nicht mehr vorteilhaft wäre. Mit anderen Worten: Kann man auch <em>zu</em> glücklich sein?<br />
<span id="more-41"></span><br />
Ökonomisch gesehen ist dies eine interessante Fragestellung wenn man von der Betrachtung des Grenznutzens des Einkommens ausgeht. In der Ökonomie gibt es die Theorie des Menschens als wirtschaftlich denkenden und handelnden Nutzenmaximierers, des <em>homo oeconomicus</em>. Nach der Theorie ist dieser <em>homo oeconomicus</em> ein Wirtschaftssubjekt, welches unter anderem feststehende Präferenzen hat, rational handelt und seinen Nutzen zu maximieren versucht.</p>
<p>Zur Erklärung kann man folgende Grafik heranziehen.</p>
<p><a href="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/180px-indifferenzkurven.png" title="180px-indifferenzkurven.png"><img src="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/180px-indifferenzkurven.png" alt="180px-indifferenzkurven.png" /></a></p>
<p>Die hier dargestellten Kurven sind sogenannte Indifferenzkurven. Ein <em>homo oeconomicus</em> hat bestimmte Präferenzen für seine Wünsche festgelegt, die in der Grafik der Einfachheit halber auf Gut 1 und Gut 2 begrenzt wurden.  Ein bestimmter Punkt auf der Kurve gibt somit das Verhältnis zwischen Gut1/Gut2 an, dass der homo oeconomicus benötigt, um einen bestimmten Nutzenlevel (die jeweilige blaue Indifferenzkurve) zu haben.</p>
<p>Die Ableitung der Kurve (die sogenannte Grenzrate der Subsitution) gibt an, in welchem Verhältnis der <em>homo oeconomicus </em>bereit ist die beiden Güter gegeneinander zu tauschen ohne dadurch an Nutzen zu verlieren (also sich weiterhin auf derselben Kurve befindet). So sieht man, dass wenn z.B. Gut 1 nur noch gering vorhanden ist, eine große Menge an zusätzlichen Einheiten von Gut 2  nötig ist, um ihn dazu zu bringen auf eine weitere Einheit von Gut 1 zu verzichten. Genauso im umgekehrten Fall: Wenn der homo oeconomicus eine große Anzahl an Einheit von Gut 1 hat, so ist er bereit viel davon abzugeben, um eine Einheit von Gut 2 zu erhalten.</p>
<p>Ein homo oeconomicus versucht seinen Nutzen zu maximieren, also grafisch dargestellt, auf weiter vom Ursprung entfernte Indifferenzkurven zu gelangen. Dies ist jedoch nicht unendlich möglich, da die Möglichkeiten zur Befriedigung von Wünschen durch das Budget des Wirtschaftssubjekts beschränkt sind.  Zeichnet man die sogenannte Budgetgerade in den Graphen mit ein (und nimmt man der Einfachheit halber an, dass der homo oeconomicus sein gesamtes Budget für Gut 1 und Gut 2 aufbraucht), so erhält man den folgenden Graphen der das Nutzenmaximum bei gegebenem Einkommen/Budget festlegt:</p>
<p><a href="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/180px-consumersoptimum.gif" title="180px-consumersoptimum.gif"><img src="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/180px-consumersoptimum.gif" alt="180px-consumersoptimum.gif" /></a></p>
<p>An dem Punkt an dem die Steigung der Indifferenzkurve (die Grenzrate der Substitution) gleich der Steigung der Budgetgeraden ist, erreicht der homo oeconomicus sein Nutzenmaximum. Dieser Punkt gibt das nutzenmaximierende Verhältnis der Aufteilung vom Budget auf Gut 1 und Gut 2 an.</p>
<p>Gelangt der Haushalt mit steigendem Einkommen (und damit einer nach rechts oben wandernden Budgetgeraden) also auf immer höhere Indifferenzkurven und erreicht damit immer höheren Nutzen bzw. immer größeres Glück in seinem Leben?</p>
<p>Damit zurück zur Studie die im Artikel der FAZ Sonntagszeitung angeführt wurde. Wie die Psychologen durch Umfrageergebnisse herausgefunden haben, sind die glücklichsten und zufriedensten Menschen nicht automatisch diejenigen mit dem höchsten Einkommen oder der besten Bildung. Werden die Leute gebeten ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 einzuschätzen, so lässt sich nur bis zu Werten von 8 und 9 ein enger Zusammenhang zwischen dem empfundenen Glück und den  Lebensumständen herausfinden. Die Zufriedenheit von Personen mit Werten darüber, lässt sich nicht alleine an ihrer beruflichen oder finanziellen Situation festmachen.</p>
<p>Ökonomisch betrachtet bedeutet dies, dass der Nutzenzuwachs mit steigendem Einkommen immer geringer wird. Sieht man also den Nutzen bzw. die Zufriedenheit als auf die y-Achse aufgetragen und das Einkommen auf die x-Achse, so nimmt die Steigung der Kurve immer mehr ab (die zweite Ableitung ist &lt; 0) und würde irgendwann den Punkt erreichen, an dem mehr Einkommen und ein größeres Budget zur Bedürfnisbefriedigung nicht mehr signifikant glücklicher machen.</p>
<p><a href="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/nutzen_vs_einkomen.png" title="nutzen_vs_einkomen.png"><img src="http://www.gleisarbeiter.de/wp-content/nutzen_vs_einkomen.png" alt="nutzen_vs_einkomen.png" /></a><br />
Was unterscheidet also die Personen die auf der Zufriedenheitsskala den Wert 10 angegeben haben von denen die nur 8 oder 9 angegeben haben? Wie kann man seine Zufriedenheit weiter steigern, obwohl zusätzliches Einkommen keinerlei, bzw. kaum noch Veränderung mit sich bringen würde?</p>
<p>Die Studie der drei Psychologen zeigte ein auffälliges Merkmal der glücklichsten und zufriedensten Umfrageteilnehmer: Sie sind deutlich häufiger in ehrenamtlichen Tätigkeiten engagiert als die moderat zufriedenen Umfrageteilnehmer. Der Artikel endet mit einem interessanten und nachdenklich stimmendem Satz:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es scheint also, dass Personen, die ihren Rollenschwerpunkt in der Familie oder karitativer Arbeit sehen, am stärksten geneigt sind, sich als vollkommen zufrieden zu bezeichnen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Verhaltensweisen des Menschen über einen <em>homo oeconomicus</em> zu beschrieben ist schwer, wenn man zu seiner Beschreibung nur die mathematisch ausdrückbaren Vorgehensweisen dieses rational handelnden, eigeninteressierten Nutzenmaximierers einbezieht. Wie gesehen spielen auch andere Verhaltensweisen eine Rolle, wie z.B. das Zufriedenheitsgefühl das jemand erhält, wenn er ohne materielle Gewinnabsicht karitativ oder ehrenamtlich tätig ist und damit einen Zustand der Zufriedenheit erreicht, der nicht nur durch materiellen Wohlstand zu erreichen wäre.<br />
Solch eine Person kann immernoch als <em>homo oeconomicus</em> bezeichnet werden, allerdings fließen in seine Präferenzliste &#8211; und damit in seine Nutzenmaximierung &#8211; Verhaltensweisen ein, die oftmals nicht mathematisch ausdrückbar sind.</p>
<p><small>S. Oishi, E. Diener, R. Lucas: &#8220;The Optimum Level of Well-Being. Can People Be Too Happy?&#8221;, Persp. on Psych. Sci, 2 (2007)</small><br />
<small>FAZ Sonntagszeitung, 20. April 2008, Nr. 16, S. 74</small><br />
<small>Quelle Bilder 1 und 2: Wikipedia.org</small></p>
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